Standpunkte

Zusammenarbeit mit der EU sichern

Michael Hengartner
Präsident ETH-Rat

Die Europäische Union ist die wichtigste Partnerin der Schweiz für Bildung, Forschung und Innovation. Ein Ende dieser erfolgreichen Zusammenarbeit wäre ein grosser Verlust für unser Land. Ein Ausschluss von den EU-Forschungsrahmenprogrammen (FRP) könnte nicht gleichwertig ersetzt werden – weder durch nationale Programme noch durch eine engere Zusammenarbeit mit einzelnen Staaten. Die BFI-Akteure haben sich deshalb klar dafür ausgesprochen, dass die Schweiz auch am nächsten FRP «Horizon Europe» teilnimmt. Ein Abseitsstehen der Schweiz von Europa hätte mittel- und langfristig grosse negative Auswirkungen auf die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.

Die Forschungsrahmenprogramme der EU sind für den ETH-Bereich extrem wertvoll. Sie erweitern unsere internationalen Netzwerke und stärken die Attraktivität und Reputation unserer Institutionen sowie der Schweiz als Forschungs- und Innovationsleader. Forschung ist schon lange nicht mehr auf Landesgrenzen beschränkt. Das hat die Corona-Pandemie exemplarisch gezeigt. Es braucht Zusammenarbeit und Austausch über die Landesgrenzen hinweg, aber auch den entsprechenden Wettbewerb. Dieser gibt unserem Land die Möglichkeit, sich mit den besten Forschenden zu messen. Könnten sich Forschende in der Schweiz nicht mehr um Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) bewerben (so etwas wie die Goldmedaillen der europäischen Forschung), hätten wir einen deutlichen Standortnachteil. Und die besten Forschenden aus dem Ausland würden sich bestimmt nicht mehr für eine Stelle in der Schweiz bewerben. Oder würden Sie als Tennis-Profi nur noch in Gstaad und Basel Tennis spielen anstatt in Wimbledon und Paris?

Der ETH-Rat und die Institutionen des ETH-Bereichs sind beunruhigt: Wir wissen noch immer nicht, ob und wie die Schweiz an Horizon Europe teilnehmen kann. Bildung, Forschung und Innovation riskieren zum Kollateralschaden in den Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU zu werden. Was, ironischerweise, beide Seite schwächen würde – denn auch die EU profitiert von dieser Zusammenarbeit. Als pragmatischer Optimist hoffe ich daher bis zuletzt auf einen guten Ausgang der Verhandlungen und danke allen für ihren Einsatz dafür.